26.09.2025

Neue Funktionen in der Bezirksvertretung: Mehr soziale Verantwortung und mehr Gleichstellung für Währing

Bei der jüngsten Bezirksvertretungssitzung wurden zwei neue zentrale Funktionen geschaffen und offiziell mit zwei Personen aus der SPÖ Währing besetzt. Marcus Altmann übernimmt die Rolle des Sozial-, Sucht- und Drogenbeauftragten, Renate Rummerstorfer wurde zur Frauenbeauftragten ernannt. Damit rücken Themen in den Vordergrund, die viele Menschen im Alltag betreffen, aber oft zu wenig öffentliche Aufmerksamkeit bekommen.

Die beiden neuen Beauftragten begleiten nicht nur die Bezirksvorsteherin bei offiziellen Terminen. Sie können in Absprache mit ihr auch eigene Projekte starten, Initiativen entwickeln und vor allem als direkte Ansprechpersonen für die Bevölkerung wirken, zuhören, Probleme aufnehmen und Lösungswege eröffnen. Im Fokus stehen niederschwellige Beratungsangebote für Menschen in Notlagen, ein offener Umgang mit Sucht und Gesundheit sowie die Stärkung der Frauen im Bezirk die mit ihren Anliegen oft zu wenig Gehör finden.

Wir haben mit den frisch ernannten Beauftragten über ihre persönliche Motivation, erste Projekte und ihre Vision für ein soziales, gerechtes und starkes Währing gesprochen.

 

Ab sofort übernehmt ihr wichtige neue Funktionen im Bezirk: Marcus, du bist nun Sozial-, Sucht- und Drogenbeauftragter, Renate, du bist die neue Frauenbeauftragte. Was bedeutet diese Aufgabe für euch beide ganz persönlich?

Marcus Altmann:
Diese neue Aufgabe bedeutet für mich Verantwortung und Chance zugleich. Wir müssen dorthin schauen, wo Menschen Unterstützung brauchen, sei es bei sozialen Fragen, bei Gesundheit oder im sensiblen Bereich von Sucht und Drogen. Ich möchte erster Ansprechpartner sein, denn soziale Probleme und Gesundheit lassen sich nicht trennen. Wer mit Sorgen, Wohnungsnot oder Einsamkeit kämpft, ist gesundheitlich stärker gefährdet. Wichtig ist mir, niemanden auszugrenzen, sondern für Betroffene und ihr Umfeld Wege zu einem selbstbestimmten Leben aufzuzeigen. Soziale und gesundheitliche Belastungen wirken immer auch in Familien, Freundeskreise, Nachbarschaften und Schulen hinein. Darum setze ich auf kommunale Gesundheitsförderung, die vorbeugt, Chancen eröffnet und Gerechtigkeit für alle Generationen schafft.

Renate Rummerstorfer:
Für mich ist das neben großer Verantwortung auch eine Herzensangelegenheit. Frauenpolitik ist keine Nebensache, sie betrifft unser gesamtes Zusammenleben. Als Frauenbeauftragte möchte ich dafür sorgen, dass Frauen in allen Lebensbereichen gesehen, gehört und unterstützt werden. Es geht darum, Strukturen zu schaffen, die Gleichstellung nicht nur am Papier sichern, sondern im Alltag spürbar machen. Im Beruf, in der Familie, in der Freizeit. Gleichzeitig will ich Frauen ermutigen, ihre Stimme zu erheben und einzufordern, was ihnen zusteht. Denn Gleichberechtigung ist kein Geschenk, sondern ein Recht!

 

Habt ihr beide schon konkrete Ideen oder Projekte, die ihr als Erstes umsetzen möchtet?

Renate Rummerstorfer:
Ein zentrales Thema ist für mich der Schutz vor Gewalt an Frauen. Gewalt passiert nicht irgendwo, sie passiert mitten unter uns. Deshalb will ich niederschwellige Informations- und Beratungsangebote schaffen, die Frauen rasch und unkompliziert erreichen. Mir ist wichtig, dass Frauen in unserem Bezirk wissen, es gibt Anlaufstellen, es gibt Hilfe und es gibt vor allem auch Solidarität. Im Rahmen der 16 Tage gegen Gewalt habe ich dazu bereits einige Aktionen geplant. Ein weiteres wichtiges Thema ist Einkommensgerechtigkeit. Der Equal Pay Day zeigt jedes Jahr, wie groß die Unterschiede sind. Im 18. Bezirk fällt er nach Berechnungen der Arbeiterkammer heuer auf den 25. Oktober. Ab diesem Tag arbeiten Frauen statistisch bis Jahresende gratis. Das ist untragbar. Deshalb möchte ich Initiativen stärken, die Frauen ökonomisch unabhängiger machen – durch Aufklärung, Informationskampagnen und bessere Vernetzung.

Marcus Altmann:
Mein erster Schwerpunkt ist eine kostenlose Sozialberatung. Eine niederschwellige Anlaufstelle für Menschen in Währing, die sich in sozialen, finanziellen oder gesundheitlichen Notlagen befinden oder Unterstützung bei Suchtproblemen brauchen. Gemeinsam mit der Volkshilfe und dem psychosozialen Dienst arbeite ich daran, regelmäßige Beratungsstunden direkt im Amtshaus einzuführen. So schaffen wir einen vertraulichen Raum, in dem unbürokratisch geholfen wird. Darüber hinaus setze ich auf Netzwerke mit Schulen, Ärzt:innen, Vereinen und Jugendeinrichtungen. Aufklärung, Prävention und Gesundheitsförderung sollen durch Bewegungsangebote, Infoveranstaltungen und Projekte alle Generationen erreichen. Gesundheit bedeutet für mich nicht nur die Abwesenheit von Krankheit, sondern umfassende Unterstützung im Alltag von Bewegung über Ernährung bis hin zur psychischen Stabilität. Besonders Kinder und Jugendliche möchte ich stärker einbeziehen, ihre Lebenswelten berücksichtigen und sie zur Partizipation ermutigen. Mein Ziel ist echte Chancengerechtigkeit unabhängig vom Einkommen und ein gesünderes, selbstbestimmteres Leben für alle.

 

Renate, welche Themen brennen dir besonders unter den Nägeln?

Renate Rummerstorfer:
Ganz klar: Gleichstellung, Gewaltschutz und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Frauen leisten noch immer den Großteil unbezahlter Arbeit, verdienen weniger und sind im Alter stärker von Armut betroffen. Wir müssen hier im Bezirk konkrete Unterstützung leisten. Von Kinderbetreuung bis zu Beratungen für den Wiedereinstieg. Gleichzeitig will ich das Bewusstsein stärken, dass Frauenpolitik immer Gesellschaftspolitik ist: Wenn wir Frauen stärken, stärken wir Familien, Kinder und letztlich den gesamten Bezirk.

 

Marcus, auch du hast mit schwierigen Themen zu tun. Wie willst du verhindern, dass Sucht und Drogen weiterhin ein Tabu bleiben?

Marcus Altmann:
Indem wir endlich offen darüber sprechen. Sucht ist eine Krankheit, keine moralische Schwäche. Betroffene brauchen Hilfe und Verständnis, nicht Verurteilung. Dieses Bewusstsein möchte ich in der Gesellschaft und besonders bei Jugendlichen stärken, etwa durch Aufklärung in Schulen und Informationsveranstaltungen. Gleichzeitig dürfen wir Angehörige nicht vergessen, die oft ebenso belastet sind und Unterstützung brauchen. Mit der neuen Sozialberatung schaffen wir einen vertraulichen Raum, in dem offen gesprochen werden kann – ohne Scham und ohne Angst. Wer frühzeitig über Probleme spricht, kann sie leichter bewältigen. Offenheit, Prävention sowie kostenlose und niederschwellige Bildungs- und Infoangebote sind für mich der Schlüssel, um Tabus rund um Sucht und Drogen zu brechen.

 

Zum Abschluss: Was wünscht ihr euch für die Zukunft Währings?

Marcus Altmann:
Ich wünsche mir ein Währing, in dem niemand mit Sorgen alleine bleibt. Ein Bezirk, in dem Solidarität spürbar ist. In der Nachbarschaft, in Schulen aber auch in den Institutionen. Und ein Bezirk, der Gesundheit nicht als Luxus, sondern als Grundrecht versteht.

Renate Rummerstorfer:
Ich wünsche mir ein Währing, in dem Frauen alle Chancen haben. Mit fairer Bezahlung, guter Vereinbarkeit von Familie und Beruf und ohne Angst vor Gewalt. Ein Bezirk, in dem Gleichstellung selbstverständlich ist und Frauen ihren Weg selbstbewusst und sichtbar gehen können.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Was dir auch gefallen könnte:

Verpasse keine Neuigkeiten: